06.05.2021, 08:13 Uhr | Pressebericht der Märkischen Oderzeitung

Elternvertreter aus Frankfurt (Oder) wenden sich an Bildungsministerin
Es geht nicht mehr nur um einen Abi-Jahrgang oder einige Erstklässler, die das Distanzlernen in der Pandemie vor Probleme stellt. Die Rahmenlehrpläne aller Jahrgangsstufensollten angepasst werden, fordern Elternvertreter aus Frankfurt. Von Lisa Mahl

Der 3. Mai war für Schüler, die in denvergangenen Wochen nicht mehr in ihreSchule gehen durften, ein Hoffnungsschimmer. Dann sollten sie alle in den Wechsel zwischen Distanz- und Präsenzunterricht zurückkehren. Doch die Schul-Notbremse, die in Frankfurt in der vergangenen Woche griff, machte einen Strich durch diese Rechnung. Kitas und Schulen sind im Prinzip zu.
Bis zum Zensurenstopp sind es nicht mal mehr fünf Wochen. Das heißt, jeder Schüler ist höchstens zweieinhalb Wochen davon wirklich in der Schule. Zieht man die Tage ab, an denen Prüfungen stattfinden und niemand außer der Prüflinge in die Schulen soll, sind es schätzungsweise zwei Wochen, rechnet Katrin Blume vor. Wenn denn die Schulen in der kommenden Woche überhaupt wieder öffnen und auch offen bleiben. Viel bleibt vom Schulhalbjahr jedenfalls nicht übrig, betont die Kreisschulbeiratsvorsitzende und Sprecherin des Kreiselternrates. Abgesehen von einer kurzen Zeit vor Ostern haben die meisten Schüler dann das Halbjahr quasi im Homeschooling verbracht.

Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter haben sich deshalb an das Land gewandt. Vor Kurzem gab es ein Online-Treffen mit Gordon Hoffmann(CDU), bildungspolitischer Sprecher im Landtag. Er war der einzige aus dem Bildungsausschuss des Landes, der reagiert hat. Am 10. Mai will sich auch Bildungsministerin Britta Ernst die Probleme, die sicherlich so nicht nur in Frankfurt bestehen, anhören. Veränderungen in den Rahmenbedingungen der 10.-Klasse- und Abiprüfungen hat sie in einem Schreiben bereits angekündigt, ohne Konkretes zu benennen.

„Die Auswirkungen werden immer gravierender“, sagt Katrin Blume. Lehrer hätten in diesem Austausch mit dem Land gesagt, dass es neben Schülern, die gut zurechtkommen, eben auch jene gebe, die komplett verloren gehen, von denen gar nichts zurückkommt. Der Kreiselternrat Frankfurt hatte schon vor einer Weile gefordert, dass nicht nur die Prüfungsschwerpunkte für die Abschlussklassen 2022, sondern auch die Rahmenlehrpläne für alle Schüler und Klassen angepasst werden. Man solle sich auf die wichtigen Dingen, die Schwerpunkte, konzentrieren, so die Forderung.

Auch für die Lernstandserhebungen, sagt Katrin Blume, wünscht sich der Kreiselternrat eine Lösung. „Erfasst werden muss, das ist uns schon klar“, sagt sie. Aber das koste sehr viel Zeitund sei ungenau, für die Lehrer sei das als Instrument ungeeignet. Bei dem Treffen habe eine Grundschullehrerin erzählt, dass sie ganz andere Sorgen hat– die durch eine Lernstandserfassung nicht greifbar werden: Sie hat bereits jetzt, als die Grundschüler nach den Osterferien zurück im Wechselunterricht waren, gemerkt, dass die Konzentrationsfähigkeit schon nach ein, zwei Stunden nachlässt. „Das ist ein Unterschied zu früher.“

Was Konzentration und Motivation steigern könne, sei Sportunterricht. Aber auch der war bislang nur sehr eingeschränkt – etwa in Form von Spaziergängen – möglich. Kontrovers werde diskutiert, ob Sport unwichtig sei und man sich nicht auf andere Fächer konzentrieren sollte, sagt Katrin Blume. Ein Vater appellierte an Gordon Hoffmann,dass wenigstens Kleinsport in Gruppen erlaubt werden solle. Hoffmann werde die Anliegen in die internen Arbeitsgruppen einbringen, sagt er. „Aber das Ministerium können sie auch nicht beeinflussen.“

Die Grundschullehrerin habe betont, dass eine Bewertung für die Schüler wichtig sei. Andererseits sei es demotivierend, wenn sie zurück in die Schule kommen und schlechte Noten bekommen. Für die 11. Klassen, betont Katrin Blume, sei jedoch gerade ein entscheidendes Halbjahr, die Zensuren zählen schon in die Abinote. „Es gibt Schüler, die gezielt auf einen Abschluss hinarbeiten und viele Zensuren erreichen wollen. Das ist total schwierig“, sagt sie. Ebenfalls eine Frage: Wie ist die Mitarbeit zubewerten? „Die Sorge ist, dass die Klassen 7 bis 9 und 11 keine Perspektivehaben.“

Schuljahr verlängern?
Eine Idee sei, auch um die Lernrückstände aufzuholen, das Schuljahr zu verlängern, das nächste Schuljahr erst im Herbst starten zu lassen. Doch das funktioniere schon mit Blick auf Studien-und Ausbildungsbeginn nicht. Gegen einen Vermerk auf den Zeugnissen, dass die Zensuren unter besonderen Bedingungen erteilt wurden, sprachen sich die Schulleiter aus. Denn der Nachteil wäre, dass die Zensuren dann als wertlos gelesen werden könnten.

Das Problem sei auch, so Katrin Blume, dass Schüler, Lehrer, Schulleitungen, Eltern nicht wüssten, wie lange das noch so geht. Der Distanzunterricht laufe sehr unterschiedlich, manche Schulen machen gar keine Videokonferenzen. Für einige komme die technische Ausstattung – etwa die gut 500 Schülertablets – schlicht zu spät. Und auch Katrin Blume merkt in ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Kreisschulbeirat und -eltern-rat, dass Videokonferenzen den Kontakt zu den Eltern zwar einerseits erleichtern – er bei einigen, vor allem aus Grund-und Oberschulen, jedoch komplett weggebrochen ist. (Von Lisa Mahlke)


Quelle: https://www.moz.de/lokales/frankfurt-oder/schule-und-corona-elternvertreter-aus-frankfurt-_oder_-wenden-sich-an-bildungsministerin-56521745.html