10.07.2018, 09:41 Uhr | Pressebericht Potsdamer Neueste Nachrichten

Panne bei Werders Leistungsklasse - 49 Schüler mussten Intelligenztest wiederholen

Werder (Havel) - Erst kam die Zusage, dann der Schock: 49 Grundschüler, die sich für die Leistungs- und Begabungsklasse am Ernst-Haeckel-Gymnasium in Werder (Havel) beworben haben, mussten den Test wiederholen. Und das, obwohl ihnen schon Wochen vorher eine Zu- oder Absage erteilt worden war. Erst seit Freitag haben Schüler und Eltern Gewissheit über den weiteren Werdegang.

Wie aus einer kleinen Anfrage der CDU-Fraktionsmitglieder Gordon Hoffmann und Saskia Ludwig hervorgeht, fanden die eigentlichen Tests zur Aufnahme in die Klasse bereits am 14. April statt. Die Leistungs- und Begabungsklassen sollen besonders begabten Schülern eine entsprechende Förderung ermöglichen, sie können schon nach der vierten Klasse auf eines von 35 Gymnasien im Land mit entsprechender Klasse gehen. Am 13. Juni seien den Eltern die Bescheide über die Aufnahme am Ernst-Haeckel-Gymnasium zugegangen. Am 28. Juni sei ihnen jedoch mitgeteilt worden, dass die Bescheide wieder aufgehoben werden müssten.

Mitarbeiter des Gymnasiums wollten sich auf PNN-Anfrage nicht zum Fall äußern. Das brandenburgische Bildungsministerium bestätigt den Vorfall jedoch: Sprecher Ralph Kotsch zufolge sei ein prognostischer Test, landläufig als Intelligenztest bekannt, falsch abgelaufen. Den Kindern sei vorher nicht erklärt worden, wie genau sie die Aufgaben zu erledigen hätten. Der Test bildet neben einem Eignungsgespräch und der Empfehlung der Grundschule die Grundlage für die Entscheidung, ob Kinder in die Leistungsklasse aufgenommen werden. „Das Ministerium hat erst Ende Juni von diesem Fehler erfahren“, so Kotsch. Daraufhin seien die Bescheide zur Aufnahme der Kinder in die Klassen aufgehoben worden. Ministerium und Schulamt hätten anschließend die Eltern in einer Versammlung in Werder über die genauen Fehler und das weitere Vorgehen informiert.

Kotsch zufolge sind die Tests am 3. Juli wiederholt worden, 45 der angeschriebenen 49 Kinder hätten erneut daran teilgenommen. Anschließend sei das Verfahren schnell zum Abschluss gekommen, am Freitag seien die endgültigen Bescheide verschickt worden.

Warum das Ministerium erst Ende Juni von der Panne erfahren hat und die Kinder dadurch erst einen Tag vor der Zeugnisausgabe den Test wiederholen konnten, werde derzeit noch überprüft. Ralph Kotsch sprach von „menschlichem Versagen“, an welcher Stelle dies passiert ist, könne jedoch noch nicht gesagt werden.

Leistungs- und Begabungsklassen gibt es in Brandenburg seit dem Schuljahr 2006/07. Sie sind sehr beliebt: Auf die 900 Plätze im Land gibt es jährlich zwischen 1300 und 1500 Bewerbungen. Neben dem Werderaner Gymnasium haben im Landkreis das Kleinmachnower Weinberg-Gymnasium und das Fläming-Gymnasium in Bad Belzig entsprechende Klassen eingerichtet.
Von Enrico Bellin



Quelle: http://www.pnn.de/pm/1300935/